Wirtschaftliche Not wird bei der evangelisch-katholischen Telefonseelsorge Saar nur selten als direkter Anlass für einen Gesprächswunsch oder ein Seelsorgegespräch benannt. „Der Prozentsatz derer, die wirtschaftliche Not als wichtigsten Anrufgrund nennen, ist mit rund fünf Prozent in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben", berichtet Heidrun Mohren-Dörrenbächer, katholische Leiterin der Saarbrücker Telefonseelsorge. „Oftmals beklagen die Anruferinnen und Anrufer die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten", sagt die Telefonseelsorgerin. In den Gesprächen würden die finanzielle Enge und die Angst vor Verlust gesellschaftlicher Anerkennung, der Ausschluss von gesellschaftlich anerkannten Bezügen oder auch die Wut und Ohnmacht in diesem Zusammenhang deutlich. Häufig verschlechterten diese Rahmenbedingungen die Notlage der Betroffenen oder verschärften etwa Partner- und Familienprobleme oder psychische Probleme. Die seien dann oft der Anlass für einen Anruf bei der Telefonseelsorge. 35 Jahre ist die Telefonseelsorge Saar in diesem Frühjahr geworden. „Die am Telefon benannten Probleme finden sich immer noch überwiegend im zwischenmenschlichen Bereich, berichtet Volker Bier, evangelischer Leiter der Telefonseelsorge. Auch der Anstieg der Anrufe von Menschen mit psychischen Problemen habe sich in diesem Jahr fortgesetzt. „Verglichen mit den Anfängen im Jahre 1975 ist die Zahl der Anrufer enorm gestiegen", so Bier. Im Jahr 2009 klingelte das Telefon 28 000 Mal. Die rund 75 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Telefonseelsorge führen täglich etwa 50 Gespräche. Der enorme Rückgang der Scherz- und Testanrufe von Jugendlichen im Jahr 2009 ermöglichte offenbar den Ratsuchenden ein besseres Erreichen des Seelsorgetelefons. Damit stieg die Zahl der geführten Gespräche fast auf das Doppelte. „Diese Entwicklung verdeutlicht, dass jede Lücke, die sich durch Reduzierung von Anrufergruppen ergibt, direkt von weiteren Ratsuchenden ausgefüllt wird", sagt der Telefonseelsorger. In der Beratungsstelle der Telefonseelsorge suchten 226 Menschen Unterstützung in der persönlichen Beratung durch die hauptamtlichen Beraterinnen und Berater. Insgesamt wurden hier, ähnlich wie im vergangenen Jahr, 1089 Beratungsstunden ermöglicht. Den Jahresbericht können Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen. PDF-Download ZURÜCK |
